Poesie


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DASS GROSSE GLORIA

 

 

Ehre sei Gott in der Höhe.

Und auf Erden Friede den Menschen, die guten Willens sind.

Wir loben dich.

Wir preisen dich.

Wir beten dich an.

Wir verherrlichen dich.

Wir sagen dir Dank, denn groß ist deine Herrlichkeit…

 

(Beginn des großen Glorias, altkirchlich.)

 

 

Neun Texte vom Beten

Martin Grahl

2015

 

I

 

Die Himmel erzählen die Taten Gottes.

 

Flüchtig

ist unser Erkennen,

Flackern von Sonnenlicht

auf tanzenden Wellen.

 

 

Die Schöpfung kommt

zum Ziel, wo

Anfang und Ende

einander umschließen.

Wir werden,

was wir nicht waren.

 

Unendlich

ist die Tiefe

des Kosmos in uns.

 

Spiegel

im

Spiegel,

Licht

im

Licht,

Finsternis

ist wie der helle Tag

in dir.

 

 

 

II

 

Mein Singen

gleiche dem Meer,

das wiegt Licht,

blau und weit,

atmender Erdball.

 

Mein Singen

gleiche Bergen,

die ragen gen Himmel,

als wollten sie sich in ihm betten.

 

Mein Singen

gleiche Feldern,

die trinken Regen und Sonne

und erwarten.

 

Mein Singen

gleiche Blütenblättern,

die tun sich auf

und werden zur zarten Schale

aus Farbe und Honig.

 

Mein Singen

gleiche Bächen,

die erzählen,

was Gott an uns getan.

 

Es macht

Schweigen schön,

kleidet Worte weiß ein,

lässt Gedanken tanzen

und berührt

Gott. 

 

 

 

 

III

 

Ich senk den Blick vor dir,

Gott,

und du erhebst

sanft mein Herz.

 

Ich neig mein Haupt vor dir,

Gott,

und du heißt mich,

aufrecht zu leben.

 

Ich lausch in deine Stille,

Gott,

und du erfüllst mich

mit überfließend Wort.

 


 

 

IV

 

Gering und arm möcht ich sein,

dass du mich erhebst

und befreist,

Kolibri auf Adlernacken,

Kind auf den Schultern des Vaters,

verletztes Vögelchen in der Hand seines Retters.

 

Groß und reich möchte ich sein,

dass ich geben kann,

wie der Baum seine Apfellast,

eine Kerze ihr Licht,

der Beschenkte von seiner Freude.

 

Wie groß bist du,

HERR,

der du dich hilflos

in unsre wirren Hände gibst,

und heilst.

 


 

V

 

Wie könnt ich anders,

als dir Gutes sagen, der du Güte bist

und nur zögernd Klage erheben,

damit du mich versöhnst?

Wie kann ich preisen,

was alles übertrifft?

 

So breite ich

nachsinnend und hoffnungssatt

vor dir Früchte aus,

Früchte der Lippen,

was mir in den Händen gut geriet

und die Perle aus grünem Sehnen.

 

Gäb ich alles dir,

es wäre schon

ein wenig, du könntest

von neuem

für ein gutes Jahr

außer Landes gehen.

 


 

VI

 

Das All entsprang dem Wort von dir, HERR.

Die sieben Meere sind Tränen deiner Barmherzigkeit,

Gärten erwachsen aus deinem Blick.

Zärtlichkeit erweckst du in unseren Händen,

Sterne hast du mir ins Herz gestreut.

Mit deinem Regenbogen malst du unsre Welt.

 

Dass wir glauben können,

erhebt uns.

 

Du wirfst uns den Erdball zu,

legst Liebe

als kostbaren Mantel

um unsere frierenden Herzen

und vertraust uns das Siegel

des Dankes an.

 

Dass wir hoffen können,

schenkt uns Zeit.

 

Dank schlägt Brücken

zu dem, was war

und sein wird,

Dank hegt der Wunder Spur.

 

 

 

VII

 

Schließ die Augen,

leg die Hände in den Schoß,

lass dein Herz wandeln,

wie es will.

 

(Wende dich zu

dem Nicht,

denk es dir

als Gegensatz

zum Nein.)

 

Wend dich

zum All,

schmilz es ein

wie ein Pfund Gold,

und denk es dir

als Wasserkugel,

 

schwebend

über Händen,

in die du dich birgst.

 

Schau im

Spiegel an dir vorbei

in dein Herz,

das niemand sehen kann.

 

(Da sieht

dein Nächster mehr

als du,

liebt er dich,

entdeckt er sich.)

 

Schau

am eigenen Blick vorbei

ins dunkle Licht

und lausch

auf Rauschen oder wortlos Singen.

 

Kling wie eine Violine

oder sei das Flötenrohr,

Halm im Wind,

wieder und wieder

Woge am Ufer,

Wolkenbild vorm Sturm,

Atem im Schlaf.

 

 

 

VIII

 

Hör auf zu üben, vergiss,

was niemand kann und sprich

mit den Glaubenden:

Unser Vater,...

 

Hör auf die Geschichten,

wie Gott sie berührte

mit Licht und Gebot,

wie er sie umkleidete

mit Hoffen,

wie er sprach,

den Zeitgenossen

zum Trotz.

 

Erbärmlichen

begegnete er mit Erbarmen

und hob sie auf

aus Staub, Wind, wüster Endlosigkeit.

Wie Gärten ließ er sie erwachsen.

 

Trauernden

begegnete er mit Trost

und hieß sie gehen im Licht,

über grünende Täler

und in eine offene Tür.

Wie Träumende ließ er

sie erwecken.

 

Und dann sprich zu Gott,

sag, was du willst,

lass von ihm

dir den besseren Willen

entdecken.

 

 

IX

 

Wenn sich

in dir

Himmel auszubreiten beginnt,

der sich über allem wölbt

und sich gebärdet,

als sei er nichts,

ist es schon

ein Wenig,

das keimt,

findet Halt

und hebt zu sprechen an.

 

Lern zu schweigen

im Gerede,

und finde Frieden auf.

Lach mit deinen Engeln

und sing mit den

Verstummten dieser Erde.

 

Geh, mein Freund,

mach dich auf den Weg.

 

Sag von Zeit zu Zeit:
Amen.

Als wärst du schon da.